Grußworte der Oberbürgermeister*innen der Städte Ludwigshafen, Mannheim, Heidelberg und Speyer für den Dyke*March 20I9

Grußwort aus Ludwigshafen im Rahmen des DYKE*-March Rhein-Neckar 2019

VOTE FOR Women*! VOTE FOR DYKES! Wählt.“ – so lautet das Motto des 3. DYKE*-March Rhein-Neckar. Ein Motto, das in vielfacher Hinsicht ein Zeichen setzt. So erinnert es an 100 Jahre Frauenwahlrecht, an den Kampfruf der Suffragetten und daran, Demokratie für Frauen zu öffnen und zu erhalten. Maßgeblichen Anteil für den bleibenden Erfolg im Frauenstimmrechtskampf hatten lesbische Frauen. Ein wichtiger Aspekt, der nicht unter den Tisch fallen darf.

Wahlen sind das höchste Gut der Demokratie, denn ohne freie und faire Wahlen gäbe es die Demokratie nicht. Aber nicht nur wählen gehen ist wichtig, sondern auch, sich zu engagieren. Als Frau gehört man beispielsweise in der Politik immer noch zur Minderheit. Wir Frauen sind hier zwar nicht mehr die Ausnahme – wie das vor 100 Jahren noch der Fall war – aber wir sind auch noch längst nicht die Regel. Noch nie war ein Parlament in Deutschland gleichberechtigt mit Frauen und Männern besetzt. Es darf nicht nur beim Empowerment von Frauen bleiben, sondern es muss auch ein Kulturwandel in Parteien und Politik geschehen, damit Frauen den Schritt in die Politik wagen.

Frauen müssen sich nicht hinter ihrem Geschlecht verstecken oder Angst davor haben, in eine Männerdomäne einzudringen. Wichtig ist, dass unser Wille da ist, etwas zu verändern! In 100 Jahren ist für Frauen viel passiert, aber noch lange nicht genug.

Gehört werden – das ist eine Forderung, die uns alle betrifft. Anliegen lesbischer und queerer* Frauen werden durch den DYKE*-March herausgestellt und erfahren einen besonderen Blick. Es ist gut und wichtig, queerfeministische Interessen und lesbische Sichtbarkeit hervorzuheben, damit sie nicht in der queeren Bewegung untergehen.

Ich möchte den Organisator*innen sowie allen Unterstützer*innen ganz herzlich für die Vorbereitung dieses noch jungen Ereignisses danken. Durch Ihr Engagement wird es möglich, dass wir alle offen Stellung beziehen können gegen jede Art von Intoleranz gegenüber sexueller Vielfalt. Ich wünsche mir, dass der DYKE*-March zur festen Tradition wird und dass die Sichtbarkeit der lesbischen und queeren* Frauen durch diese Demonstration dauerhaft erreicht wird.

Allen Teilnehmer*innen wünsche ich einen erfolgreichen DYKE*-March!

Jutta Steinruck

Oberbürgermeisterin der Stadt Ludwigshafen am Rhein

Grußwort von Herrn Dr. Peter Kurz, Oberbürgermeister der Stadt Mannheim

Sehr geehrte Teilnehmer*innen des Dyke-Marches Rhein-Neckar 2019,

in zahlreichen Veranstaltungsformaten blicken wir in diesem Jahr auf »100 Jahre Frauenwahlrecht« zurück. In Mannheim fand u. a. bereits am 19. Januar und damit an dem Tag, an dem Frauen im Jahr 1919 auf nationaler Ebene erstmals wählen und gewählt werden konnten, ein von der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Mannheim Zahra Deilami angebotenes 1. Feministisches Barcamp statt, das kritisch Bilanz zog, wie es um die Gleichstellung der Geschlechter heute bestellt ist. Das Resümee war ‒ erwartungsgemäß ‒ gemischt: Ohne Zweifel können die Frauenbewegung und ihre Mitstreiter*innen auf wichtige Errungenschaften zurückblicken. Allerdings sind zum einen einmal erreichte Rechte auch revidierbar, das zeigt ein Blick in die Geschichte, und zum anderen ist die Gleichstellung der Geschlechter in wichtigen Bereichen bei Weitem noch nicht Realität ‒ zu nennen sind stellvertretend die politische Teilhabe, die Unterrepräsentanz von Frauen in Entscheidungs- und Führungspositionen sowie der Gender Pay Gap.

Die Einführung des für uns heute so selbstverständlichen Frauenwahlrechts fiel nicht vom Himmel, es wurde in zähen und langen Auseinandersetzungen von Frauen und Frauenverbänden erstritten. Das Frauenwahlrecht ist ein wichtiger Meilenstein im Kampf um Frauenrechte als Menschenrechte und damit ein Anknüpfungspunkt für alle diejenigen, die sich für die Gleichstellung aller Geschlechter und für ein gleichberechtigtes Miteinander engagieren.

Der Dyke-March Rhein-Neckar »demonstriert für lesbische Sichtbarkeit, für Teilhabe, für LesbenFrauenKulturGeschichte sowie für Wertschätzung und Respekt«.
Um Sichtbarkeit für ihr Thema ging es auch den Frauenrechtlerinnen im Kaiserreich. Mit ihrem Einsatz für das Frauenwahlrecht sprengten die Frauen die ihnen damals von der Gesellschaft zugewiesene Sphäre des Privaten. Ihr Kampf für das Frauenwahlrecht markierte zugleich auch den Beginn eines Kampfes für die Sichtbarkeit von Frauen in der politischen Sphäre und damit auch für die Demokratisierung der Gesellschaft.
Lesbische Frauen hatten in dieser Bewegung einen entscheidenden Anteil an der Durchsetzung des Frauenwahlrechts. Allerdings traten sie im Allgemeinen nicht als Frauen liebende Frauen in die Öffentlichkeit. Wenngleich weibliche Homosexualität im Gegensatz zur männlichen nicht strafrechtlich sanktioniert war, da Frauen eine aktive und eigenständige Sexualität generell abgesprochen wurde, war lesbische Liebe extrem tabuiert und wurde deshalb meist sehr diskret gehandhabt. Es kommt den heutigen Generationen zu, die Leistung von Lesben im Kampf um Frauenrechte angemessen zu würdigen.

Obzwar sich die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen gegenüber dem Kaiserreich heute deutlich verbessert haben, sind lesbische, bi-, trans- und intersexuelle sowie queere Frauen in der Öffentlichkeit oftmals nicht sichtbar. So wird z. B. immer wieder der Christopher Street Day in den Medien als »Schwulenparade« bezeichnet, die »gleichgeschlechtliche Ehe« heißt umgangssprachlich nicht selten »Schwulenehe« und die Rechte homosexueller Menschen werden zu »Schwulenrechten« verkürzt. Wo Frauen* lediglich »mitgemeint« sind, bleiben ihre Anliegen unbeachtet. Schon deshalb ist es nötig, dass lesbische Frauen* ihre Interessen selbstbewusst und beharrlich in der Öffentlichkeit vertreten, Teilhabe und Wertschätzung einfordern. Da diesbezüglich
noch Handlungsbedarf besteht, haben die Gleichstellungsbeauftrage und der LSBTI-Beauftragte der Stadt Mannheim, Zahra Deilami und Sören Landmann, in diesem Jahr einen Arbeitskreis »Sichtbarkeit von Frauen in der queeren Community« ins Leben gerufen.

Ich freue mich sehr, dass der Dyke-March Rhein-Neckar in diesem Jahr bereits zum dritten Mal stattfindet, und wünsche den Organisatorinnen und Teilnehmer*innen den nötigen langen Atem, um ihre Ziele zu erreichen.

Dr. Peter Kurz
Oberbürgermeister der Stadt Mannheim

 

 

(C) Friederike Hentschel

G R U S S W O R T

Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer,

wenn Hunderte Menschen mit Regenbogenfähnchen und Transparenten durch Heidelberg ziehen, um lesbische und queere Frauen in der Öffentlichkeit sichtbarer zu machen, dann ist wieder DYKE-March Rhein-Neckar. Zum dritten Mal zeigen Frauen Fahne für Frauen; am Vorabend des CSD unter dem Motto „Vote for omen! Vote for dykes! Wählt!.

Mit dieser vehementen Aufforderung erinnern sie an 100 Jahre Frauenwahlrecht, das im vergangenen Jahr auch vom Amt für Chancengleichheit in vielen Veranstaltungen gefeiert wurde. Denn auch in Heidelberg haben etliche Wegbereiterinnen für ihr Wahlrecht gekämpft: Marie Baum als erste weibliche Fabrikinspektorin oder auch Marianne Weber, die die Sektion Frauenbildung-Frauenstudium gründete.

Trotz der großen Anstrengungen vor über 100 Jahren, an denen lesbische Frauen einen großen Anteil hatten, ist die Gleichberechtigung in allen Lebensbereichen längst noch kein Alltag. Damit sich das ändert, kann ich Veranstaltungen wie den DYKE-March in unserer Stadt nicht nur begrüßen, sondern auch unterstützen. Für die Zukunft wünsche ich mir viele weitere Veranstaltungen dieser Art, die die Stadt noch vielfältiger machen. Viel Erfolg!

Prof. Dr. Eckart Würzner

Oberbürgermeister der Stadt Heidelberg

Foto: Daniel Lukac

Grußwort von Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler DYKE*-March Rhein-Neckar

Liebe Teilnehmer*innen des DYKE-March,
Sie haben Ihre diesjährige Demonstration unter das Motto „VOTE FOR Women“! „VOTE FOR Dykes“ gestellt und ich freue mich, dass Sie dies in Erinnerung und auf Rückgriff der Suffragetten machen. Denn die Suffragetten sind Vorreiterinnen im Kampf für Gleichberechtigung und Frauenrechte und sind Anfang des 20. Jahrhunderts unter dem Einsatz ihres Lebens für ein allgemeines Frauenwahlrecht eingetreten.
Ich bin eine große Bewunderin dieser mutigen Frauen, die furchtlose Streiterinnen für unser Geschlecht waren und sich durch nichts und niemandem von ihrem Ziel abbringen ließen. Sie haben mit ihrem Einsatz den Weg dafür geebnet, dass bei der Wahl zur verfassunggebenden Nationalversammlung am 19. Januar 1919 erstmals Frauen als Wählerinnen und Gewählte teilnehmen konnten. Über 80 Prozent der wahlberechtigten Frauen gaben damals ihre Stimme ab. Sie hatten große Hoffnungen und verlangten nicht mehr, als dass neben der männlichen, auch die weibliche Sicht der Dinge bei der politischen Willensbildung eine Rolle spielt.
Eine Selbstverständlichkeit also, die – und das müssen wir leider feststellen – 100 Jahre danach noch immer nicht in allen Politikbereichen umgesetzt ist. Denn in keinem deutschen Parlament sind Frauen seit 1919 gleichberechtigt vertreten und deshalb ist es an uns, den Kampf der Suffragetten fortzusetzen und der Unterrepräsentanz von Frauen in der Politik entgegenzuwirken. Und mit uns meine ich politische Amtsträger wie meine Person, Parteien, gesellschaftliche Gruppen wie die Ihrige und den Gesetzgeber. Denn freiwillig werden wir nicht weiterkommen, das haben die letzten 100 Jahre eindrücklich bewiesen.
Sie haben aber auch gezeigt, dass sich der Einsatz lohnt und so wurde im Oktober 2017 endlich die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare beschlossen, um nur ein positives Beispiel zu nennen. Mein Dank gilt daher allen Frauen und Männern, den Organisator*innen sowie allen Unterstützer*innen, die sich für den DYKE*-March verantwortlich zeigen und sich mit großem persönlichen Einsatz für die Belange von lesbischen und queeren* Frauen einsetzen. Sie leisten großartige Arbeit!
Der Demonstration wünsche ich einen guten Verlauf.

Ihre
Stefanie Seiler
Oberbürgermeisterin der Stadt Speyer