wir brauchen … Lesbengeschichte

Nach zwei Stunden Tanz-Demo mit Redebeiträgen schloß der Dyke*March Rhein-Neckar 2018 mit den Forderungen des Dyke*Marches:

Wir fordern internationale Frauensolidarität, Asylrecht für verfolgte lesbische Frauen, weltweit uneingeschränkte Menscherechte für frauenliebende Frauen*, Entgeldgerechtigkeit für Frauen*, Lesbenquoten* in Entscheidungsgremien und Rehabilitierung von Frauen, die wegen § 218 verurteilt wurden.

Wir fordern Geschichte  für Alle – für den gesamten Regenbogen!

Baden-Württemberg ist das erste Bundesland, das die Aufarbeitung von LSBTI-Geschichte vom Wissenschaftsministerium finanziert. Baden-Württemberg hat den Anspruch, Leuchtturm zu sein in der Republik und Wegweiser zu werden für queere Historiographie und queere Tradierung. Umgesetzt sind zwei Module – Opfergeschichte §175 und Tätergeschichte § 175. Dies beleuchtet nahezu ausschließlich die Aufarbeitung  exklusiv männlicher Homosexuellengeschichte mit einem speziellen geschichtspolitischen Schwerpunkt. Die Engführung auf die Zeit des Nationalsozialismus und dessen Wirkung erklärt sich aus dem Diskurs um die Rehabilitierung der §175 Opfer. Ein drittes Modul – für Lesben, Bi-,Trans-, Intersexuelle, Transgender und queere Menschen ist zwar vorgesehen aber unsicher ob der Umsetzung.

Wir fordern das dritte Modul Lesbengeschichte und ein viertes Modul Trans-Inter-Queer-Geschichte. Beide Module sind bislang an einer württembergischen Universität angesiedelt und werden von einem exklusiv männlichen Lehrkörper geleitet.

Die ausstehenden Module zur Regenbogengeschichte sollen am Lehrstuhl einer Badischen Universität  angesiedelt sein und von einer Frau Professorin mit der Qualifikation in Frauen- und Geschlechterstudien geleitet werden.

Wir fordern die Themengruppe Geschichte des Netzwerkes LSBTTIQ Baden-Württemberg und den Sprechendenrat des Netzwerkes LSBTTIQ Baden-Württemberg auf, lesbenfeindliche Arbeitsstrukturen abzuschaffen und lesbenfreundliche mit Leben zu füllen, proaktiv auf frauenliebender Frauen* zuzugehen, lesbische Expertise, speziell die außeruniversitäre Expertise der Frauengeschichtsforschung aufzugreifen, prekäre Lebensrealität von lesbischen Frauen* zu berücksichtigen und transparente Strukturen für Entscheidungspositionen für Lesben zu schaffen.

Wir fordern ein non-binäres Genderbudgeting, das die Pluralität von Geschlechter berücksichtigt, um Transparenz über Geldflüsse zu  schaffen.

2019 wird am 27. Januar, dem Internationalen Gedenktag der Opfer des Holocaust, im Landtag eine zentrale Veranstaltung zum Gedenken der Homosexuellen Opfer stattfinden. Auch für diese Veranstaltung, die eine hohe Symbolkraft hat, appellieren wir daran, das Menschrecht auf Geschichte für alle Geschlechter umzusetzen und nicht nach exklusiv mann-männlich-codierten Logiken zu handeln und fordern eine geschlechtergerechte Gedenkkultur für das Jahr 2019.

Mit dem Gedicht – frei nach Ricarda Huch und Dorothee Sölle beschließen wir den Dyke*March Rhein 2018 mit dem Motto “Herbei mit den Frauenrechten*! Heraus mit der Lesbengeschichte!”:

wir brauchen licht  – um denken zu können

wir brauchen luft – um atmen zu können

wir brauchen  –  ein fenster zum himmel …………und wir,

wir brauchen Sichtbarkeit von Lesben*, die Kraft frauenliebender Frauen* und das Wissen um unsere Geschichte – Lesbengeschichte* – um Teilzuhaben am CSD-Rhein-Neckar 2018 mit dem Motto “mehr liebe wagen”…..

um lachen. lieben und lesben zu können.